2016-07-02 Mittag

By openmedi on 2. Juli 2016 — 2 mins read

So. Da sind wir also. Tweetbot ist deinstalliert und das Leben geht weiter. Habe mir zum Schutz Stayfocusd installiert und habe schon gleich festgestellt, dass mir der Twitterbesuch in Fleisch und Blut übergegangen ist. Es wird einiges an Disziplin erfordern, nicht ständig die Website zu besuchen. Aber es wird schon gehen.

Gestern kam der Ausstellungskatalog zu Reset Modernity und meine erste Assoziation war Weltall, Erde, Mensch, was sogar ich damals noch zur Jugendweihe bekommen habe, wenn ich mich richtig erinnere. Ist schon komisch einen Katalog zu einer Ausstellung zu haben, die man aus Geldgründen nicht besuchen kann. Ich befinde mich damit jetzt schon in einer Zukunft, in der man aus Zeitgründen die “Gedankenausstellung” nicht mehr besuchen kann – weil es sie nämlich nicht mehr gibt. Also: Das Standardproblem der Historiker_innen. Geldgründe oder Zeitgründe: Es gibt jedenfalls Gründe Ausstellungen nicht zu besuchen.

Ich lese weiter in dieser Robespierre-Biografie von Friedrich Sieburg und finde sie auch weiterhin ganz gut, auch wenn man sicherlich sagen muss, dass sie zuweilen etwas redundant ist. Nichtsdestotrotz: Für ein aus einem Karton mit der Aufschrift “zu verschenken” gefischtes Buch, hätte ich es nicht viel besser treffen können.

Das Buch erinnert mich zuerst an die “wertlose Bibliothek”, dann an Augé und Augé wiederum an sein Buch “Tagebuch eines Obdachlosen”, in dem das Dilemma und die Lächerlichkeit des Tagebuchschreibens – erst will man ganz gesellschaftskritisch und beobachtend schreiben und schließlich schreibt man fast gar nichts Relevantes mehr, weil ja eh alles schon gesagt wurde und man ja selbst nicht relevant ist – gut dargestellt wird. In diesem Falle kommt das Problem auf, weil wir es mit einem Obdachlosen zu tun haben, der in gewisser Weise die Gesellschaft verlässt. Wochentage und Daten allgemein sind schon bald egal. Was in der Gesellschaft passiert ist, weil man selbst nicht mehr dazu gehört, auch nicht mehr interessant.

Ob es mir auch so gehen wird? Ich bin ja nicht obdachlos, ich bin nur für die nächsten paar Monate ohne soziale Medien. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es zu einer ähnlich verlaufenden Entwicklung bezüglich dieses “Internetkollektivs” kommen wird, vorausgesetzt, ich schaffe es mich von den sozialen Medien wirklich zu lösen. Diese Untersuchung der #kzuMafia wird auf Eis wenn nicht gar ad acta gelegt.


Ich arbeite mich durch die zweite Version meines Essays zu Walter Benjamins Kunstwerkaufsatz und Bruno Latours Anthropologie der Moderne und habe nun das Problem auf ca. 15 Seiten schon alles gesagt zu haben. Der Essay soll aber 20 Seiten lang sein. Dazu aber bei Gelegenheit mehr.


Gestern Kaffee getrunken und fühle mich heute immer noch so, als würde ich es nicht vertragen. Schon die ganze Zeit ist mir schlecht. Erstmal was essen.

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