2016-08-11 Nachmittag

By openmedi on 11. August 2016 — 3 mins read

Update 15.08.2016 – 17:08: Ich nutze Beeminder jetzt doch.

Beeminder wieder abgeschafft. Wie heute morgen geschrieben, war ich mir mit diesem Service nicht sicher und nun habe ich also einen Rückzieher gemacht, solange das noch einfach geht. Denn wenn man ein Ziel bei Beeminder länger als sieben Tage stehen hat, dann muss man weitere sieben Tage warten (und tracken) bevor das Ziel tatsächlich aufhört eine Bedrohung für den eigenen Geldbeutel zu sein.

Ich höre mit Beeminder im übrigen nicht auf, weil ich die prinzipielle Idee eines Vertrags mit sich selbst und deren komfortable Umsetzung im Rahmen eines Webservices schlecht finde, sondern weil mir Beeminder zu nonchalant mit seinen Preisen und seinen Kunden umgeht (der ganze hier verlinkte Thread spricht Bände). Ja, alles ist sehr durchdacht, aber man macht auch kein Geheimnis daraus, dass man den Gewinn zu maximieren sucht. Im Hinblick auf mein eigenes Selbstverbesserungsprojekt sollten mich Fragen zur Finanzierbarkeit des Webservices den ich dafür nutzen will aber nicht kümmern. Die Preisstruktur des Services und die auf Vertrauen beruhende Übertragung von Agency auf diesen Service bringt in Kombination aber eine Unsicherheit mit sich, die man nur durch weniger knappes Geld abschaffen könnte.

Könnte ich 4-32 Dollar(!) im Monat für einen solchen Dienst bezahlen ohne, dass es mir weh tun würde, dann wäre das alles kein Problem. Aber da die monatlichen Kosten allein schon dafür, dass man mitspielen darf so hoch liegen und das Spiel darin besteht weitere Kosten zu vermeiden in dem man zu seinen Zielen steht und seine Daten trackt, bleibt mir nichts weiter übrig als den Dienst bei aller Durchdachtheit und Nützlichkeit für Leute mit niedrigem Einkommen als nicht nur zu teuer, sondern auch für psychologisch geschickte Abzocke zu halten. (EDIT 11.08.2016 – 18:15: Daran ändert auch die Tatsache wenig, dass man die Preise wohl aus Gründen finanzieller Restrukturierungen angepasst und das Anlegen von Zielen erst im August limitiert hat.) Besonders perfide daran ist die Ausnutzung der Übertragung von Handlungsmacht um damit Geld zu verdienen. Das ruinöse Abhängigkeitspotential dieses Spiels ist kaum zu unterschätzen. Hier sieht man auch einen generellen Punkt der Startup-Kultur: Die privilegierte Situation vieler in Startups arbeitender Akteure führt zu einer Wirklichkeitsverzerrung bezüglich des eigenen Marktes, der Konstruktion der eigenen User und der eigenen Macht bezüglich dieser User.

Ich glaube schon, dass man mit den sich aus Beeminder/Stickk/Pact ergebenden Einsichten – die selbst wiederum auf spieltheoretischen, kybernetischen und behavioristischen Forschungen beruhen – vieles anfangen kann. Aber: „with great power comes great responsibility“ und ich sehe im Augenblick nicht, dass die Leute hinter Beeminder verantwortungsvoll genug mit ihren (im besten Falle: zahlenden) Nutzer_innen umgeht.

EDIT 11.08.2016 – 18:15: Wie ich eben entdeckte, kam die Änderung des Preismodells und die Umstellung auf limitierte Ziele gerade jetzt erst in diesem Monat. Es scheint nicht leicht zu sein, Leute dazu zu bewegen für diesen Service genug zu bezahlen. Die oben geschilderte Problematik des fehlenden Vertrauens in die Fähigkeit der Gründer_innen den eigenen Service möglichst inklusiv und möglichst nicht-ruinös zu bepreisen und die scheinbare Beliebigkeit (die mir wie gesagt zu leichtfertig ist) mit der man hier solch Dinge wie Preise und Features festlegt, bestärkt mich in meinem Urteil. Am effektivsten zocken wohl die ab, die nicht wissen, dass sie es tun. Gleichzeitig gebe ich aber zu, dass ich aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen immer noch die Hoffnung habe, dass Beeminder für mich funktionieren könnte. Für wahrscheinlich halte ich es aber nicht. Ich werde das aber weiter beobachten.


Ich besitze nun endlich wieder ein gültiges Ausweisdokument mit meiner aktuellen Adresse. Zugegebenermaßen war das für sehr lange Zeit nicht der Fall. Zeitweise war mein Ausweis verschollen (mein Reisepass und die Meldebestätigung nicht), zeitweise stimmte die Adresse auf meinem Ausweis nicht mehr, zeitweise dachte ich mein Portemonnaie sei gestohlen worden, zeitweise war der Ausweis abgelaufen. Jetzt sowohl ein gültiges Ausweisdokument mit einem Bild, dass meinem aktuellen Aussehen entspricht, als auch die aktuellen Adresse ausweist, zu besitzen fühlt sich gut an.

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