2017-02-24 Abend

By openmedi on 24. Februar 2017 — 3 mins read

Habe das Journal, welches sich ohnehin immer mehr zu einem eher privaten Sideblog entwickelt hatte, jetzt „für Kenner_innen“ hinter der Über-Seite versteckt. Die Einträge tauchen, falls sie relevant sein sollten, natürlich weiterhin unter den Haupteinträgen auf und auch auf den Tagsseiten. Das schreibe ich hier in dem Wissen, dass meine Seite so gut wie niemanden interessiert, was aber okay ist. Es erinnert mich sehr an diesen Post von @romanheld bei Ello1:

Ihr könnt nirgendwo hin als zurück. […] Und dann haut ab.

Es ging damals um Twitter und Ello war der Versuch etwas anderes zu versuchen, wie zuvor schon App.net. All das kommt mir auch gerade jetzt wieder in den Kopf, weil meine selbstauferlegte Abstinenz von Twitter schon bald zu Ende geht.

Dieser Account wird ab 01.07.2016 zunächst bis zum 01.03.2017 still gelegt. Weiter gehts aber hier: openmedi.de (q)

So schrieb ich am 15. Juni und habe es nicht oder jedenfalls so gut wie nicht bereut nicht mehr zu twittern. Es wird vermutlich dabei bleiben. Ich genieße die Stille dieses Blogs. Die erstaunliche Freiheit des eigenen Denkens, die sich nicht zuletzt auch dadurch ergibt, dass man sich nicht in gleicher Weise einbinden lässt. Ich nannte das einst Stimulanzökonomie, andere nennen es Medienökologie und ich sollte es wohl Stimulanzökologie nennen. Denn Mediatoren wachsen in Umwelten und stehen mit ihnen im Wechselverhältnis. Sich zu entziehen erlaubt zuweilen anderes, wenn auch nicht unbedingt anschlussfähigeres.

Wenn ich einen Vorsatz fürs neue Jahr hatte, dann wohl „neue Erfahrungen“ sammeln. Angefangen hat es bei Podcasts. Aber es muss da nicht aufhören. Grundsätzlich ist aber dieses Wechselspiel von Dauer und Veränderung kaum wegzudenken. Denn neue Erfahrungen sammeln allein ist nicht viel wert, wenn sie an nichts anschließen können, wenn sie sich nicht auf interessante Weise im bereits Bekannten verfangen. Und so bin ich froh weiterhin zu meditieren, fast jeden Tag Tagebuch zu schreiben, meinen Zettelkasten zu nutzen (wenn auch wenig innovativ oder inhaltlich, aber es wäre schwer ihn wieder loszuwerden…), Complice und Beeminder zu verwenden. Eine zunehmend verlässliche Struktur meines Lebens, aus der auszubrechen zwar immer schwieriger wird, die mir gleichzeitig aber als Gehäuse dient, oder als U-Boot, mit dem ich in die Tiefe des Lebens abtauchen kann. Tiefe des Lebens: Das ist vor allem die außergewöhnliche Fähigkeiten zur Überraschung des Normalen. Gespräche ohne die Scheuklappen oder Denkblockaden des Internetdiskurses zu führen, die Welt zu beobachten und versuchen zu verstehen, ohne sich notwendig in diesen Diskurs mit seinen Funden in direkter Weise einzuschreiben, das genieße ich.

Aber ich mache mir auch nichts vor: Ich hänge viel auf Reddit und in Foren rum und wenn es auch nicht im gleichen Umfang ist, wie ich Zeit auf Twitter verschwendete, ist der Unterschied so groß nicht.


Mir geht es gut. Ich habe das letzte richtige Semester meines Lebens überstanden und muss nun noch eine letzte mündliche Prüfung ablegen, bevor wirklich nur noch die Masterarbeit und ein Werkstattbericht zu dieser zu erledigen ist.

In der ersten Märzhälfte bin ich Finnland bei meiner Freundin. Auch darauf freue ich mich sehr. Wir vermissen uns und freuen uns aufeinander. Es wird eine schöne Abwechslung sein, bevor es darum gehen wird, ein großes Stück auch mit meiner Masterarbeit weiter zu kommen.

Was nach dem Master kommt ist natürlich weiterhin ungewiss. Immer attraktiver auch im Hinblick auf meine Studienschulden, ist eine Ausbildung im höheren Archivdienst. Ich kann dann immer noch einen Doktor nebenbei machen oder hinten ranhängen. Aber all das ist offen, so lange ich nicht tatsächlich kurz vor dem Abschluss stehe. Bafög ist zunächst gestundet, aber der dicke private Studienkredit, den ich damals aufnahm, weil ich kein Bafög mehr beziehen konnte, nach dem Studienwechsel, ist Ende Oktober fällig, komme da was will. Hinzu kommt, dass ich den anderen privaten Kredit ja schon zurückzahle. Es wird schon gehen. Es muss gehen…

Auch wenn nicht gerade nur rosige Zeiten vor mir liegen, freue ich mich schon sehr, wenn ich den Masterabschluss endlich in der Tasche habe. Dieses ewige Leben in der Pufferzone, in dem keine finanzielle Entscheidung je mehr existentiell gefühlt werden konnte, hat dann nämlich ein Ende. Es war damals aus familiären und persönlichen Gründen richtig und wichtig all diese Kredite aufzunehmen, aber es hat auch dazu geführt, dass mein Verhältnis zu geborgtem Geld, gerade weil es sich um Kredite handelte, die lange Laufzeit hatten, sehr unsophistiziert ist. Das ändert sich und ich freue mich über das was ich lerne. Bisher lerne ich schnell genug um mich über Wasser zu halten.


  1. Auch dieser hat seit sieben Monaten dort nichts mehr veröffentlicht. 
Posted in: Journal

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