Langeweile, Produktivität und Motivation

By openmedi on 14. Februar 2017 — 2 mins read

Langeweile ist wichtig. Mit reflektierter Langeweile beginnt häufig kreatives Schaffen. Im Hinblick auf die Planung seiner eigenen Zeit spielt sie auch eine wichtige Rolle. Wir planen häufig viel zu optimistisch. Wir planen und haben dabei vor allen Dingen die positiven Faktoren im Auge, die es uns erlauben müssten, unsere ambitionierten Pläne in die Tat umzusetzen. Häufig ignorieren wir dabei Evidenzen, die auf eine eher pessimistische Voraussage hinauslaufen würde. Man nennt dies den Planungsfehlschluss.

Hier hat der Pessimismus eine positive Funktion. Je besser wir darin sind pessimistische Voraussagen über die Zukunft zu machen, in dem Sinne, dass wir auch negative Eventualitäten in unsere Planung miteinbeziehen und darüber hinausgehend noch zusätzlichen Puffer mit einplanen, desto besser ist die Chance, dass unser Plan sich auch umsetzen lässt.

Es gibt verschiedene Strategien, mit denen man die eigene Planung verbessern kann. Ein schöner Blogpost dazu findet sich hier.

Ich versuche mir immer Montags Zeit zu nehmen, um meine Woche zu planen. Ich fange zunächst damit an in einem tagebuchartigen Stil die Wünsche, Ziele, Herausforderungen und andere wichtige Dinge in ihrem Zusammenhang zu beschreiben, wobei ich mir sämtliche Inputs (Beeminder, Complice, Zettelkasten, Emails, Kalender, etc.) ansehe und aus diesem Zusammenhang wiederum eine aktuelle ToDo-Liste zu erstellen, die ich anschließend auf die Tage der Woche verteile. Diese Liste ist mehr ein Outline, in dem ich nicht nur versuche Aufgaben aufzulisten, sondern auch gleich mögliche Gründe, warum es mir nicht gelingen wird dieses Ziel in dieser Woche zu erreichen und wie ich die Gründe für das Nichtgelingen überwinden kann.

Eine Beobachtung, die sich bei der Verfertigung eines solchen Wochenplans ergab ist, dass Langeweile eine wichtige Ressource in der Zeitplanung ist. Je mehr Langeweile ich einplane, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich diese Langeweile in einer Motivation, die dann bald anstehende Aufgabe zu erfüllen.

Konkret habe ich mir das z.B. letzte Woche zu nutze gemacht, als es darum ging, dass ich am Mittwoch laufen gehen wollte. Ich hatte die Woche zuvor das Laufen prokrastiniert und antizipierte in meiner Planungsphase, dass ich in ähnlicher Weise auch am Mittwoch agieren würde. Ich habe nämlich am Mittwoch auch ein Seminar und gewöhnlicherweise natürlich noch ein paar andere Dinge zu tun. Um 16 Uhr muss ich aber an der Uni sein. Eine halbe Stunde Fahrt kommt noch hinzu und die Morgenroutine mit Bad (30 Minuten), Meditation (30 Minuten), Frühstück (30 Minuten) sowie das Laufen selbst (90 Minuten) kostet seine Zeit. Zwischen dem Seminar und meiner Joggingrunde finden sich trotzdem immer noch anderthalb Stunden, die ich in der Vergangenheit oft verplante. Als ich nun aber diese Woche organisierte, entschied ich mich diese 90 Minuten für nichts zu verplanen. Diese eingeplante Langeweile, dieser Stillstand oder die Freizeit, die ich mir selbst mitten am Tage zugestand, reichte um mich zum Laufen zu bringen, weil ich wusste, dass selbst wenn ich danach total erschöpft wäre oder gar ein Nickerchen halten müsste, ich die Zeit dafür hätte. Am Mittwoch selbst dann wollte ich die Zeit aber nutzen, weil ich mich gut fühlte. Und so schaffte ich das erste Mal seit Wochen, was ich mir die Wochen davor vorgenommen hatte, gerade weil ich es mir nicht vornahm. Ich saß am Mittwoch nach dem Laufen nämlich nur irgendwie doof rum und wusste nichts besseres mit mir anzufangen, als dann die eine oder andere Kleinigkeit von meiner ToDo-Liste abzuarbeiten.

Posted in: Miszelle

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