Meinung und Wissen aus alienanthropologischer Sicht

By openmedi on 7. Februar 2017 — 4 mins read

(Manchmal werden Irrfahrten so lang, dass sie im Rahmen meiner Zeit nicht zu einem Abschluss kommen. So auch heute.)

Wann ist eine Meinung mehr als eine Meinung? Was muss zu einer Meinung hinzukommen, damit sie mehr Gewicht erhält? Wodurch werden Meinungen haltbarer? Es scheint, dass die Antwort in der Verbindung einer Meinung mit etwas anderem besteht. Eine Meinung bezeichnet zunächst so etwas wie ein Fürwahrhalten. Ist die Frage berechtigt, ob eine Meinung zu Wissen werden kann? Mir scheint schon. Wären wir Aliens, die von den Abläufen hier nichts begriffen, könnten wir den Unterschied zwischen zwei Aussagen nicht mehr aufgrund inhaltlicher Kategorien machen. Für gewöhnlich unterscheidet Wissen von Meinung nämlich die Begründung. B weil A. Es wäre aus einer solchen Sicht nicht mal gesichert, dass wir noch wüssten, was Sätze eigentlich sind, womit sich die Sprachanalyse nicht mehr anbietet. Was wir sehen würden, wäre vielleicht nicht mehr, als dass Leute in irgendeiner Form miteinander in Beziehung stünden, wobei die Laute, die sie produzieren würden, in irgendeiner Weise signifikant zu sein scheinen. Die Lautproduktion ist verschieden an verschiedenen Orten. Sowieso ist bemerkenswert, dass Leute nicht am gleichen Ort bleiben, sondern sich bewegen und dort mit anderen Leuten zusammentreffen, wobei aus dieser Perspektive unklar bleibt, was sie dazu treibt. Dass sie Ortswechsel vollführen hingegen steht außer Frage. Diese Ortswechsel selbst haben die Eigenschaft Leute zusammenzuführen. Die Leute tendieren dazu, je weiter der Abstand zwischen zwei Orten ist, bestimmte Signifikante Zwischenorte aufzusuchen, die entweder die Form eines Punktes oder einer Strecke zwischen diesen Orten annimmt. Die signifikanten Orte sind deshalb interessant, weil sie Einfluss auf die Art und den Umfang der Lautproduktion haben. Aber es sind nicht nur Orte, die ein erhöhtes Aufkommen von Leuten auf sich beziehen, sondern auch einzelne Akteure, wie es scheint. Diese einzelnen Akteure zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Verhältnis mit viel mehr Akteuren in Verbindung stehen, sie scheinen Leute regelrecht anzuziehen. Diese scheinbar wichtigeren Akteure halten sich häufig an Orten auf, die ohnehin eine hohe Anziehungskraft auf Leute ausüben. Die Laute, die diese Akteure produzieren, unterscheiden sich nicht von denen anderer Leute. Von außen kann man nur sehen, dass sie offensichtlich eine höhere Anziehungskraft besitzen, als die sie umgebenden Akteure. Die Lautstärke der geäußerten Laute und die vorhandene Redezeit eines Akteurs scheinen Indikatoren für die Wichtigkeit von Akteuren zu sein. Wer mehr Laute produziert scheint jedenfalls häufig ein wichtiger Akteur zu sein.

In dieser Betrachtung ist vieles nicht berücksichtigt worden. So ist z.B. nicht gesichert, dass wir als Aliens Menschen so eindeutig von Nichtmenschen unterscheiden würden, oder sie gar in den Mittelpunkt unserer Betrachtungsweise stellen würden. Was Teil von etwas ist und was nicht, wäre erst noch analytisch zu ermitteln. Aber sei es drum. Es scheint ohne inhaltliche Analyse schwer einen Unterschied zwischen Meinung und Wissen zu machen. Das empirische Datenmaterial würde eine solche Analyse vermutlich verunmöglichen. Ohne eine_n Diplomat_in, der auch in der Form eines Rosetta Stone daherkommen könnte, kommen wir nicht wirklich weiter. Diese Unterscheidung funktioniert erst unter Voraussetzung der Sprache. Dies ließe sich auch noch genauer fassen: Als Aliens müssen wir mindestens so viel über menschliche Sprache wissen, dass wir verstehen, dass Sprache aus Sätzen besteht.

Das heißt aus…

[Laut]
[Laut]
[Laut]
[Laut]
[Laut]

… wird …

Satz.
Satz.
Satz.
Satz.
Satz.

Aber auch das reicht noch nicht. Denn auch diese Sätze müssen sich unterscheiden lassen. Und zwar in Aussagen und in Begründungen.

Aussage.
Aussage.
Begründung.
Aussage.
Begründung.

Auch hier fehlt noch ein entscheidender Aspekt. Nämlich der, dass gewusst werden muss, welche Aussagen und etwaige Begründungen zusammengehören.

Aussage.
Aussage. Begründung.
Aussage. Begründung.

Usw. Man kann sich zurecht fragen, wie man zwischen Aussagen und Begründungen unterscheiden lernen würde. Vielleicht durch ihre nachgestellte Position im Redefluss? In jedem Falle würden wir selbst mit diesen nicht gerade voraussetzungslosen Informationen noch sehr viele Fälle übersehen und viele Fehler begehen. Es ist also immer noch nicht ausreichend. Aber was man hier schon sehen kann: Mit zunehmendem Wissen über die Sprache lässt sich ein solcher Unterschied zwischen Meinung und Sprache in zunehmendem Maße feststellen, weil mit zunehmendem Maße die Ausdifferenzierung von Sprache klar wird.

Würden wir als Aliens gefragt werden, ob es sich bei einer Äußerung um Meinung oder Wissen handelte, würden wir auf weitere Probleme treffen. Nämlich gäbe es ein nicht unerhebliches Maß an Kommunikation, die einige für Wissen halten und andere nicht. Und umgekehrt.

Wir bräuchten nun eine alienanthropologische Analyse von Wissenschaft, die wir hier nicht liefern können. Wir würden außerdem etwas über Macht sagen müssen, die ebenfalls nur schwerlich alienanthropologisch nachweisbar ist. Es wäre nötig herauszufinden, was Leute eine Meinung als Wissen akzeptieren lässt und wovon eine solche Entscheidung abhängt. Es wäre auch nötig…

Posted in: Irrfahrt

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