Schreiben, Texte und Objekte

By openmedi on 10. April 2016 — 1 min read

Es gibt zu den Dingen ja mindestens zwei Zugänge. Man kann sich für jedes auftauchende Objekt in einer Quelle eine Repräsentation schaffen, an die man sich dann immer mehr und mehr, d.h. iterativ, heranarbeitet. Jedes auftauchende Zitat, jede neue Relation, usw. wird auf diese Weise in einer Art symbolischem Netzwerk überführt und kann bei ausreichender Tiefe gründlichst beschrieben werden. Dabei wird der Quellentext im Prinzip fast vollständig seiner narrativen Funktion beraubt und verliert damit auch ein Stück weit seine disziplinierende Funktionen, was positive wie negative Effekte mit sich bringt.

Demgegenüber kann man auch ganz ungründlich über etwas schreiben was man zum Beispiel gelesen hat und jeden dieser ungründlichen Begriffe dann wiederum explizieren. Wenn ich z.B. schreibe „Kant hat über die Vernunft geschrieben“, dann kann ich diesen Satz in beliebiger Art und Weise weiter spezifizieren und auf diese Weise entsteht ein Text, den man sich in Form eines Outlines oder Baumes denken kann.

Beim Objektbezogenen Zugang kommt es also zu umfangreichen Auflistungen von Eigenschaften der jeweiligen Akteure. Der objektbezogene Zugang könnte auch akteursbezogen genannt werden, denn das zu beschreibende „Objekt“, kann alles mögliche sein – ein Buch, eine Person, eine Firma, eine Technologie, eine Epoche, ein Song, ein Gefühl, eine Theorie, usw. – Auflistungen zu den Eigenschaften/Relationen des Objektes sind in jedem Falle möglich. Die ANT, Getting Things Done oder auch das Programm Tinderbox (ganz allgemein das objektorientierte Programmierparadigma) sind Beispiele für Dinge in der Welt, die mit diesem Zugang arbeiten.

Der textbezogene Zugang ist dagegen einer, der sich über die Expansion der Beschreibung des zu explizierenden Sachverhaltes konstituiert. In diesem Falle gibt es also einen Satz (Absatz, Aufsatz, …), der expliziert werden soll und dies geschieht selbst wiederum auch in Text. Man schreibt einfach immer explizitere Texte zu dem was im Satz enthalten ist. Dabei steht im Mittelpunkt jedoch gerade nicht das Objekt auf den der Satz sich bezieht, sondern der Satz selbst. Das ist einerseits gut, weil man dann sehr viel besser zu Potentialen des Satzes aufbrechen kann, die sich durch die Unmittelbarkeit des objektbezogenen Zugangs nicht ergeben, andererseits kann man auch leicht durch die Eigenbewegungen und Strömungen sehr weit von dem weggetragen werden, über was man eigentlich schreiben wollte. Niklas Luhmanns Zettelkasten scheint mir nach diesem Prinzip gearbeitet zu haben.

Posted in: Miszelle

Leave a comment

%d Bloggern gefällt das: