Schreibend denken und schreibend lesen

By openmedi on 18. April 2017 — 1 min read

Es ist schwer vorzustellen, wie man überhaupt je vorwärts kommen soll, wenn man nicht schreibt. Alle Dinge erfordern das Festhalten des Prozesses, so dass man später, in anderem Kontext auf das Vorhergehende zurückgreifen kann. Da Menschen Sprachtiere sind, bietet es sich an, Sprache dafür zu benutzen und die geschriebene Sprache ist nicht nur schnell, sondern wird im Rahmen wissenschaftlicher Betätigung ohnehin ständig verwendet. Ein mitlaufendes Protokoll dessen zu haben, was man denkt, gedacht hat, erlaubt es Gedanken überhaupt erst zu fassen. Es ist ein Glücksfall, dass man in fast allen Lebensbereichen, aber um so mehr im Bereich der Geistes- und Kulturwissenschaften, ohnehin Geschriebenes abzuliefern hat. Das heißt, dass man mit jedem Satz, mit dem man einen Gedanken artikuliert, immer auch schon gleich einem potentiellen Argument Form gibt. Neben der Überprüfbarkeit und der Formulierungssynergie, gibt es „heute“ mit Hypertexten zudem noch die Referenzierbarkeit, die die oben genannte Rekontextualisierung der eigenen Überlegungen interaktiviert und damit zumindest ansatzweise die Linearität des Textes aufbricht. Die Linearität des Schreibens selbst wiederum ist gerade im Wechselspiel mit interaktiven Hypertextsystemen einer gewissen eigenen Emergenz mächtig, weil sie Stringenz im Satz, im Absatz fordert, der dem Denken nicht immanent ist. Aber nicht nur schreibend muss man denken, man muss auch schreibend lesen. Man muss seine Eigenes wie das Fremde stets im Hinblick auf seine Kommentierbarkeit und Weiterverlinkbarkeit befragen. Jede weitere Möglichkeit der Schaffung von Relationen muss ausgenutzt werden. Auf diesem Wege wird Literatur und das eigene Schreiben produktiv.

Posted in: Irrfahrt

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