003 – der Intranetpost

By openmedi on 16. Februar 2018 — 2 mins read

Eine kleine Lesung und ein ad-hoc-Kommentar.

Post aus dem neuen Intranet

(Daran arbeite ich nicht, es entstand nicht in der Abreitszeit, sondern wann anders.) Was kann sinnvollerweise in einer solchen Intranet-Version eines sozialen Netzwerks hineingeschrieben werden? Medientheoretisch betrachtet handelt es sich um eine interessante Situation: Einerseits handelt es sich um ein soziales Netzwerk, welches sich durchaus auch über die Entferntheit seiner Nutzer_innen definiert. Die verhältnismäßig leichte Herstellung von Kommunikation zwischen zwei räumlich voneinander entfernten Usern, stellt den Standardfall der Kommunikation in den sozialen Medien dar. Sicher, es gibt auch immer mal wieder Treffen, Blogbars, Barcamps, Hackatons, Hörertreffen (für Podcasts), Konferenzen, usw. Aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich dabei um punktuelle Verdichtungen in ansonsten räumlich eher zerstreuten Kommunikationssituationen handelt. Anders nun ein solches Intranet: Hier ist paradoxerweise die Situation gegeben, dass man mit vielen, wenn auch nicht mit allen (den Außenbüros und Telearbeiter_innen) selten mehr als ein paar Schritte, höchstens ein paar Treppenstufen auseinandersitzt.

Die Entfernung, die auch das Kommunikationsgebaren in sozialen Medien mitkonstituiert (so z. B. die fehlende Durchsetzungsfähigkeit im Netz, man bedenke das Thema “Trolle”), besteht hier also so nicht. Aber was bedeutet das für die Ordnung (im Sinne eines geordneten Ablaufs, aber auch im Sinne fortsetzungsfähiger oder erfolgreicher “selbstverständlich sinnvoller” Kommunikation) innerhalb solcher sozialer Medien?

Ähnliche Fragen sich natürlich für Slack auch, mit dem Unterschied, dass die Channel und direkten Nachrichten die Möglichkeit zur nichtöffentlichen und gerichteten Kommunikation eröffnen und in gewisser Weise auch lenken, weil diese Kommunikation mit begrenzten Gegenübern dort den Standardfall darstellt. Diese Lenkung ermöglicht das Gespräch mit digitalen Medien in mehr oder weniger herkömmlicher Manier. Gespräche in der Gruppe, oder Zwiegespräche. Nicht zuletzt deshalb besteht hier das Paradox der fehlenden Entfernung etwas weniger. Demgegenüber ist eine Nachricht, publiziert im eigenen Profil auf dem neuen Intranet potenziell für alle einsehbar. D. h. man weiß nicht mit man eigentlich – ob man überhaupt mit jemandem – spricht.

Interessanterweis ist dieses Paradox vor alem an die Greif- bzw. Beobachtbarkeit der User untereinander, jedoch nicht an (das Fehlen von) Anonymität gebunden, denn wie jemand heißt, was er oder sie tut kann bekannt sein, ohne zu wissen, was das eigentlich bedeutet. Was etwas bedeutet, lässt sich aber nur bedingt (nämlich: Es ist an die Bedingung einer BEstätigung durch Vertrauensvorschuss, Autorität oder Empirie, meistens alles zusammen, geknüpft.) kommunizieren. Jetzt sind die User dieses sozialen Netzwerks aber plötzlich greifbar. Damit ist Durchsetzungsfähigkeit UND die Möglichkeit einer Rede an eine unbekannte Öffentlichkeit gegeben, die nicht vorab durch Medieninstitutionen strukturiert ist. Denn Institution sind wir ja schon selbst.

“Plausible deniability” ist kein Feature des neuen Intranets.

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