2017-11-14 Abend

By openmedi on 14. November 2017 — 2 mins read

Die ersten zwei Arbeitstage sind um. Ich werde erschlagen von neuen Informationen. Gleichzeitig juckt es mir in den Fingern „tatsächlich“ arbeiten zu wollen. Die Abteilung ist nett. Ein guter Start, ein angenehmer Start.

Bemerkenswert sind die über die Jahre im Studium herausgebildeten Reflexe: Was ist die Struktur? Wie war sie historisch? Was lässt sich aus diesen Daten für die Zukunft extrapolieren? Was sagt der spezifische Ort in der Struktur, an dem man sich befindet, mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit über die Dynamik des Gesamtsystems und über die Akteure dieses Netzwerks (wobei hier: System = Netzwerk) aus?

Wenn ich nach einer der vielen Schulungen mal ein paar Minuten Zeit habe, dann fließen mir mal mehr, mal weniger konkrete Antworten dazu einfach aus den Fingern und es ist erstaunlich wie viele dabei schon gerastert ist, welche Konzepte ich zur Absicherung oder Plausibilisierung meiner Beschreibung verwende.

Da ist z. B. das schon längst nicht mehr häufig direkt angesprochene Konzept des „maschinenlesbaren Universums“, einer Art Extremversion einer Tendenz, die sich mir abzuzeichnen scheint, nämlich, dass durch Sensoren, Kameras, Digitalisierungen, Menschenhand, usw. usf. das Universum insgesamt maschinenlesbar wird und damit der Mensch als Mediator nicht mehr in gleicher Weise zwischen Maschine und Universum geschaltet ist. Wäre alles als Datum vorhanden, dann würden sich viele Ambiguitäten erledigen. Nicht, weil die Datenstruktur, die das Universum dann abbildet nicht auch anders aussehen könnte, sondern weil eine Vereinbarung dieser Sorte zu viele Vorteile bringt, als dass man ihr ihre Konstruiertheit noch vorwerfen würde. Der nächste Schritt wäre dann aus der Maschinenlesbarkeit auch eine Maschinenschreibbarkeit abzuleiten. Auch das eine beobachtbare Tendenz.

Das Konzept einer Akteur-Netzwerk-Toxikologie, bei der es durch die Berührung zweier sich einander fremder Akteur-Netzwerke notwendig zu gegenseitigen „Vergiftungen“ kommt, die dann mit Neutralisierungsbemühungen (auch „lernen“ genannt) beantwortet werden. Kann ein Akteur-Netzwerk ein anderes reproduzierbar neutralisieren, oder gar vollständig vergiften, dann geht das eine Netzwerk im anderen auf oder ist zukünftig nicht in gleicher Weise mehr für Berührungen mit dem anderen Netzwerk sensitiv. Dies ist nur eine Frage der Zeit und der Ressourcen des jeweiligen Netzwerkes. betrachtet man das ganze chronologisch und stellt sich ein Diagramm vor, auf dem auf der x-Achse die Zeit und auf der y-Achse, die Interaktionsintensität eingetragen wird, dann würde man idealtypisch eine Glockenkurve sehen: Zunächst keine Berührung, dann die Berührung/Vergiftung, zunehmende Interaktion/Auseinandersetzung, bis am Höhepunkt „gelernt“ wird (Neutralisation oder vollständige Vergiftung, wobei eine gegenseitige Neutralisation das typische Ergebnis ist), woraufhin, dank reproduzierbarem Lernerfolg, die Intensität der Auseinandersetzung wieder abnimmt. Die Intensität drückt sich im Freiwerden von Emergenz aus, oder noch unbestimmter Qualität, die sich durch die Interaktion mit dem jeweilig anderen Netzwerk ergibt.

Usw.

Ich gebe zu: Dieses neue Problem macht Spaß, auch wenn ich logischerweise durch meinen Arbeitsvertrag hier aufs Ausbuchstabieren verzichten muss.

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