2018-07-14 Nachmittag

By openmedi on 14. Juli 2018 — 2 mins read

Zwei Programmierkurse auf Udemy später und meine Fähigkeiten sind nicht mehr unter aller Sau. Ich bin noch längst nicht gut, aber ein neues Lernfeld hat sich in der Tat aufgetan. Sicher auch gestärkt davon, dass ich das Lernen in meinem Studium gelernt habe, stellt sich mir das Problem programmieren zu lernen ganz anders dar, als noch vor ca. zehn Jahren in Bremen, wo ich zwar das Potential hatte, aber noch nicht die Fähigkeiten, die gestellten Aufgaben und das vorhandene Potential ins richtige Verhältnis zu bringen. Jetzt geht es hingegen ganz gut.

Ich konnte ja immer schon ein bisschen Programmieren. Aber die Intensität mit der ich mich gerade im letzten halben Jahr mit JavaScript auseinandersetzte, macht deutlich, wie sehr Webentwicklung auch wieder an Botanik erinnert. Es ist die Kunst der Kettenbildung. Was man aus der Botanikgeschichte kennt, nämlich, dass man auch über weite Entfernungen hinweg und in einem See aus fast unüberblickbarer Komplexität schwimmend verhältnismäßig stabile Kommunikationsinfrastruktur schaffen kann, solange man sich an Standards hält oder diese schafft, dass diese Infrastruktur selbst Realität etabliert oder aushandelt, auch das finden wir in der Webentwicklung wieder. Legos. Diese Festigkeit ist ein nachvollziehbares Wunder – was wiederum ein Wunder in sich ist! Ich kann so viel mehr dadurch tun, dass ich anderer Leute Bausteine n-ter Ordnung verwende, dass es einem ob der Möglichkeiten schwindelig werden kann.1

Ich habe außerdem über mich gelernt, dass ich Schwierigkeiten habe, nicht ökonomisch-optimierend zu denken. Wann habe ich den letzten Artikel gelesen, der mich nicht für mein Lernprojekt weiterbrachte? Keine Investitionen in Freunde, Beziehungen, die nicht langjährig sind. Keine Zeit, keine Ressourcen Dinge zu tun, die keinen Nutzen haben. Ich will entspannt sein und trotzdem einem Optimum entgegenstreben und schneide dafür gehörig im eigenen sozialen Zirkel, meiner Lebenssituation, in den Dingen, die mich interessieren, usw. herum. “Braucht man nicht. Kann weg!”

Immer wieder schwierige Diskussionen oder eher “Zuhörungen”, wenn sie mir etwas darüber erzählt, wie Bergbauunternehmen die finnische Natur aufs Spiel setzen. Es geht ihr so nahe und ich mit meinem kalten Blick denke mehr als dass ichs sage: “This too shall pass”. Wir dürfen allerhöchstens auf die nächsten Generationen hoffen. Aber auch ich sehe die Zerstörung. Das wird der Vorwurf an unsere Zeit werden: Wie konntet ihr Biodiversität in solcher Größenordnung vernichten, Papa? Warum habt ihr euch nicht gewehrt? Warum habt ihr sehenden Auges nichts getan? Warum seid ihr schuldig und fühlt euch straffrei? Und dann gucke ich traurig, geschult an fatalistischer Theorie und Geschichte und rechtfertige mich trotzdem. Insofern gut, dass wir reden. Gut, dass ich es nicht egal finde, in dem Sinne, dass ich denke, dass das egal Finden schlimm wäre, nicht unbedingt, das was ich egal fände. Aber es ist minimal.

Alles Ausdruck des sozio-technischen Ist-Zustandes, usw. Die Gesellschaft ist und bleibt Naturgewalt. Und der Biodiversität mag nicht egal sein, wie groß oder klein sie ist, der Natur hingegen gilt das lediglich als Overtüre für die nächste Explosion.

Demnächst nach Finnland. Freue mich sehr.


  1. Auch das im Nachklapp zur kzumafia nach wie vor irritierend: Die Blindheit gegenüber den Möglichkeiten und Notwendigkeiten dieser Kettenbildungen. Sie reden von Unschärfe in sozialen Medien und der Chance, die sich daraus ergibt, lehnen gleichzeitig alles ab, was diese Chance ganz offensichtlich ermöglicht und sobald man auch nur ansatzweise darüber zu ihnen spricht, geht das Visier runter. 
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