2018-08-31 (Lerna)

By openmedi on 31. August 2018 — 2 mins read

Teile meiner Familie kommen am Sonntag für meinen Geburtstag vorbei. Ich finde das… okay. Es wird mich nur den gesamten Sonntag beschäftigen. Und am Samstag die Wohnung herrichten und keine Zeit für meinen React-Kurs mehr haben… hach ja. Aber ja. 32 werde ich. Ist aber irgendwie auch egal.

Habe diese Woche – auch für mich erstaunlich – viel auf Twitter zu einem Fall kommentiert: Einem Versuch nämlich Protest im Rahmen von OpenSource-Software zu etablieren. (Posts auf Vice vom 29.08. und vom 30.08.) Interessant ist das, weil es den Unterschied zwischen solchen Gehegen, in denen Administratoren desinteressiert sind und solchen in denen es für sie interessant wird, deutlich macht. Twitter ist ein Gehege wo Desinteresse herrscht, weil die Inhalte für Twitter keine Rolle spielen, sondern nur der Fakt, dass sich möglichst viel auf der Plattform unterhalten wird. Was die Akteure des Geheges (ein wie ich finde passenderer Ausdruck für Plattform) dann tun und wie sie sich ohne Durchsetzungsfähigkeit organisieren, das ist (mehr oder weniger) egal. Bei Code sieht die Sache anders aus. Lerna, das Stück Software um das es geht, wird in vielen Bereichen und von vielen Firmen eingesetzt und definiert also ein Stück Realität, was einen Unterschied dort macht, wo es weh tun könnte, nämlich im Bereich der Produkte der Firmen, im Geschäftsmodell, d. h. schlussendlich im Portemonnaie. Mit dem Ergebnis, dass man sich auch auf der Administratorenseite interessiert umschaut. Auf Twitter hingegen, können wir alle so viel Bullshit schreiben wie wir wollen, solange wir uns nicht in Elon Musk umbennen (…, ein überaus interessanter Hinweis, auf eine Veränderung des Verhältnisses von Administratoren und Usern in sozialen Medien…).

Im Prinzip wird die Ambiguität des Open-Source-Modells bedroht, durch die Vermengung mit offensichtlich politischen Beweggründen. Im Prinzip ist die Aufladung einer Idee, die Agnostik zum Leben braucht, mit bestimmten politischen Werten, die spezifisch sind, wie in diesem Falle dem dagegen Sein, gegen die Familientrennung an der Grenze Mexiko/USA, eine Vergiftung, die neutralisiert werden muss und weil sie neutralisiert werden kann, wird sie auch neutralisiert, in dem man den Aktivisten von der Liste der Administratoren der Software streicht und die Änderungen rückgängig macht. Anders wäre das bei Twitter, wo niemand das toxische Element auf diese weise “wegordnen” kann: Hier würde sich in selbstähnlichen Schleifen lediglich ein Meinungsaustausch abspielen können, den man ebensowenig verhindern kann. Dies untergräbt diskursiv aber lediglich im Twittergehege die Autorität der Administratoren eines anderen Geheges und führt daher – plattformagnostisch berachtet – ebensowenig zur Neutralisation, wie umgekehrt. Es stellt sich die Frage, ob ein Generationswechsel daran etwas ändert – und die Antwort ist wahrscheinlich, da wir alle als User und nicht als Administratoren geboren werden, ja. Insofern werden sich – über einen längeren Zeitraum betrachtet – vermutlich die Gefangenen gegenüber ihren Wärtern durchsetzen, bzw. genauer: Die nächsten Wärter werden ein Interesse für Ihre Insassen haben, was aber wiederum bedeutet, dass eine solche Situation – desinteressierte Administratoren lassen Usern auf ihrer Plattform machen was sie wollen – zukünftig nicht mehr geben wird.

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