Kontext als Ressource

Von openmedi veröffentlicht am 6/28/2019, 5:09:16 PM

Man kann auch den Kontext einer Sache als Ressource betrachten. Das scheint zunächst kontraintuitiv, da ja Kontext immer gegeben ist. Eine Sache existiert nicht ohne sie umgebene andere Sachen. Die Gesamtheit dieser anderen Sachen, dass wäre der Kontext. Aber genauso wie Erzadern in einem bestimmten Berg eines bestimmten Gebirges in einem bestimmten Land gelegen auch gegeben sind, so ist Kontext selbst auch gegeben.

Nicht alles am Kontext ist für alles an der Sache positiv zu bewerten, wobei man mit positiv hier so etwas meinen könnte, wie dem Ausdruck der Sache seines Seins oder seines Sollseins, seines sein Sollens zu unterstützen, d. h. seine Besonderheit zu betonen, bzw. seine Vergleichbarkeit gleichzeitig zu erhöhen und sein Einebnungspotenzial zu verringern. Das wäre dann vielleicht eine nicht-moralische relative Positivität: Die Sache fällt auf (was die Unterschiedlichkeit zu anderen ähnlichen Sachen meint) und die Sache ist nicht leicht zu integrieren, d. h. sie ist Widerständig.

Auffälligkeit und Widerständigkeit wiederum sind Produkte, die sich aus dem Kontext einer Sache generieren. Ihr Grad ergibt sich aus der Verschaltung jener Sachen, die man in ihrer Gesamtheit gerne Kontext nennt, wobei sich die anderen Sachen wie Kontext verhalten, nicht aber Kontext sind.

Nimmt man den Kontext einer Sache als Ressource wahr, so ist damit gleichzeitig eine Optimierungsaufgabe impliziert: Nämlich das Gegebene im Hinblick auf einer bessere Ausbeute zu nutzen.

Man könnte nun versucht sein zu handeln, wenn man sich selbst als Sache setzt. Man könnte versuchen, die eine oder andere architektonische Setzung, die andere Sachen vorgenommen haben und sich auf die eigene Sache im Kontext auswirken, umzustellen. Dabei wird man häufig feststellen, dass Kopplungen zwischen Kontextsachen selten offensichtlich sind. Man wird weiter feststellen, dass Kontextoptimierung kein Mikadospiel ist: Im Gegenteil werden die losen und festen Kopplungen auf die eigene Intervention eher so reagieren, wie ein Kaulquappentümpel auf den von einem Kind geworfenen Stein: Es wird ein selbstorganisatorisches Gewusel beobachtbar.

Das nun wiederum umfasst einen auch selbst. Man optimiert also nicht, man optimiert höchstens, in dem man optimiert wird, oder: Es optimiert wie es regnet: Es ist etwas, dem man sich unterwerfen kann. Wo man mal was ausprobieren kann. Wo man mal experimentieren kann, wo es einen, die Sache hinschleudert, wenn die Sache einen festen Punkt behauptet und die Differenz macht zwischen Kontext und Sache.