Kontext und Mode

By openmedi on 1. Dezember 2018 — 1 min read

Mode ist keine Ästhetik. Es hat damit zu tun. Ästhetik hat den Anspruch Gesetzmäßigkeiten aufzudecken, die Empfindungen der betrachtenden Akteure beeinflussen können, bzw. die dem wiederum zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten zu erforschen. Mode würde diese Gesetzmäßigkeiten nutzen, um Kleidung zu produzieren, die buchstäblich eindrücklich ist.

Was eindrücklich ist, ist nicht absolut eindrücklich. Das heißt, dass es “darauf ankommt”, was sich als ästhetisch erweist und was nicht. Es handelt sich um einen komponierten Zusammenhang.

Wichtiger Indikator für das Funktionieren bzw. Nichtfunktionieren von Mode scheint Ähnlichkeit zu sein. Läuft man dieser Tage z. B. durch die Straßen Hamburgs oder über die Weihnachtsmärkte, dann fällt zunächst auf, wie gleichförmig die Menschen in diesen Massen aus ähnlichen Akteuren aussehen. Schwarze Winterjacken werden in einem solchen Kontext kaum auffallen können.

Auch gibt es (zeit-)historische Zusammenhänge, die bestimmte Kleidungsstücke als ästhetisch erscheinen lassen, während andere Kleidungsstücke, die vielleicht einst eindrücklich waren, heute keine Wimper mehr zum Zucken bringen.

Mode, die ästhetisch ist, muss nicht automatisch einen schönen Eindruck machen. Ich würde zunächst eher von folgender hierarchischen Unterteilung ausgehen:

  • Mode
    • Ästhetische Mode
      • schöne Mode
      • andere Mode
    • Unästhetische Mode

“Ästhetische Mode” ist genau genommen kein guter Ausdruck. Dies würde zu sehr implizieren, dass Mode stets nach bestimmten ästhetischen Prinzipien handelt und Eindrücklichkeit immer das Ergebnis von intentionalen Handlungen ist.

Dies soll wiederum nicht heißen, dass sich Akteure, die in der Modewelt unterwegs sind, nicht Gedanken um Ästhetik machen, aber der Erfolg hängt stark von der erfolgreichen Rekontextualisierung des ästhetischen Erfolgs ab: Im Designprogramm am Computer, im Workshop, auf dem Laufsteg, im Katalog oder im Webauftritt, im Laden, am Körper und schließlich im Alltag (Schule, Uni, Arbeit, auf der Straße, zu Hause, usw.). Gerade im Alltag beweist sich, ob Kleidung beeindruckend sein kann, denn hier ist die Disziplinierung von anderen Akteuren nur sehr schwer möglich. Subtilität mit Mode zu erzielen, funktioniert demnach in kontrollierten lokalen Realitäten mit ausgebildeten und demnach disziplinierten Akteuren sehr viel besser als im Alltag. In Filmen, auf Instagram oder auf dem Catwalk, können die Umgebungsvariablen, fast wie in einem Experimentalsystem, im Hinblick auf den intendierten Effekt verändert werden.

Posted in: Irrfahrt

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