Kontingenz und Historizität

By openmedi on 27. November 2016 — 1 min read

Die Arbeit in der Geschichtswissenschaft ist geprägt von unüberbrückbaren Ambiguitäten gegenüber den Quellen, mit denen wir es zutun haben. Eine Interpretation von Zeugnissen der Vergangenheit kann sich – und sollte sich – auf so viele Indizien stützen wie verfügbar sind, um am Ende bei der Einordnung auf mehr oder weniger gesichertem Boden zu stehen. Je mehr Verbindungen wir zu anderen Überresten herstellen können und je mehr wir aus diesen Knäueln wiederum weitere Informationen abstrahieren können, desto mehr ergibt sich etwas Erzählbares – und darum geht es in der einen oder anderen Form in der Geschichte ja immer.

Ein Problem in der Bewertung von Quellen ist dabei die Kontingenz. In Bezug auf das hier betrachtete will ich damit sagen: Man kann Quellen auch immer anders bewerten. Da sich die Bedeutung von Quellen mit dem Wissen um diese Quellen verändert, so verändert sich also auch die Bewertung und Bedeutung von ihnen in der Verbindung mit anderen Quellen.

Ein weiteres Problem stellt die Historizität dar. Damit meine ich hier, dass nicht nur das Beobachtete eine Geschichte hat, die es für den oder die Historiker_in zu erzählen gilt, sondern auch man selbst und damit auch das eigene Erzählte hat eine Historie, bzw. wird eine haben.

Beide Probleme bilden Grenzbedingungen des Raumes, in dem Geschichte erzählt werden kann, des Möglichkeitsraumes der Historiografie. Man kann sich also einerseits nie absolut sicher sein, dass es nicht auch anders sein könnte und arbeitet deshalb innerhalb der philologisch-historischen Wissenschaften grundsätzlich probabilistisch (“es ist wahrscheinlich so und so”, “der Befund gilt als sicher”). Andererseits ist es wichtig, dass man die Vorfristigkeit der eigenen Aussagen im Hinblick auf das was noch kommt miteinbezieht. Soll heißen: Abschließende Aussagen im Feld der Geschichte sind nicht möglich. Niemand wird ein und für alle Mal eine Lösung zu einem historiografischen Problem anbieten können, wie man das u.U. in der Mathematik kann.

Posted in: Miszelle

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