Master in Geschichte – Wie findet man den Weg in informationswissenschaftliche Berufe?

By openmedi on 31. August 2017 — 5 mins read

Was kann man machen, wenn man gerne in die wissenschaftliche/historische/informationswissenschaftliche Infrastruktur möchte, aber Geschichte studiert hat?1 Man kann natürlich „ganz unten“ anfangen und eine Ausbildung oder ein Studium machen. Darum soll es hier aber nicht gehen.

Archiv

Der direkteste Weg ins Archiv mit Mastertitel aus einem historischen Feld ist das Referendariat für den höheren Archivdienst. Es handelt sich dabei, wie bei vielen dieser Fortbildungen für Hochschulabsolventen, um eine zweijährige Traineeposition, in der man das fachspezifische aufgreift und dann als Archivar in Archiven arbeiten kann. Die Aufgabe ist unterteilt in praktische Arbeit in einem Archiv und einem theoretisch-wissenschaftlichem Anteil an der Archivschule Marburg bzw. derjenigen für Bayern. Dabei gilt es zu beachten, dass viele Ausschreibungen zu diesen Stellen Praktika in Archiven, Kenntnisse der französischen und/oder der lateinischen Sprache, sowie eine Promotion fordern oder wünschen. Ausschreibungen für Referendariate dieser Art findet man auf den Seiten der Archivschule in Marburg und auf den Seiten der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns.

Ein weiterer Weg ist sich über ein berufsbegleitendes Fernstudium an der FH Potsdam (der einzigen Hochschule in Deutschland, die eine solche Weiterbildung anbietet) die nötige Expertise (und vor allem: das Zertifikat) anzueignen. Dabei ist aber einiges zu beachten:

  1. Berufserfahrung von mindestens 12 Monaten in einem Archiv vor der Bewerbung
  2. Berufliche Tätigkeit bei Studienbeginn von mindestens 20h/Woche
  3. Insgesamt sind 24 Monate Berufserfahrung im Verlauf des Studiums nachzuweisen

An die benötigte Berufserfahrung kann man auf verschiedenen Wegen kommen. Eine interessante Möglichkeit ist das Referendariat als wissenschaftlicher Dokumentar in einer Institution mit Archiveinrichtung (siehe unten). Es werden außerdem ab und an Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiter_innen, Projektmitarbeiter_innen o. Ä. ausgeschrieben, auf die sich auch studierte Historiker_innen bewerben können.

Bibliothek

Auch in Bibliotheken werden in regelmäßigen Abständen Referendariate ausgeschrieben, die einen zu Fachreferent_innen ausbilden. Das sind Fachleute für einen bestimmten Teilbereich in Bibliotheken. Hier sind die zusätzlich geforderten und/oder gewünschten Qualifikationen und Kenntnisse sehr heterogen. Stellen dieser Art findet man z. B. bei openbibliojobs.

Auch hier gibt es die Möglichkeit einen berufsbegleitenden Master in Bibliothekswissenschaften zu machen. Insgesamt gibt es dafür in Deutschland drei Hochschulen: die TH Köln (Bibliotheks- und Informationswissenschaft), die HU Berlin (Weiterbildender Masterstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft im Fernstudium) und die Hochschule Hannover (Weiterbildungsstudiengang Informations- und Wissensmanagement). Hier die Voraussetzungen dieser Fernstudiengänge:

  • TH Köln – 12 Monate berufspraktische Tätigkeit, davon 2 Monate im „Bibliotheks- und Informationsbereich“ und der Rest muss einen Bezug zum eigenen ersten Masterstudium haben
  • HS Hannover – 3 Jahre einschlägige Berufserfahrung mit Bezug zum Informations- oder Wissensmanagement. Gesamtnote des Studienabschlusses muss mindestens gut betragen
  • HU Berlin – Nachweis über mindestens 12 Monate (auch Teilzeit) Berufstätigkeit nach dem ersten Abschluss. Diese Berufstätigkeit muss dem Studienziel förderlich, aber nicht unbedingt in einer Bibliotheks- oder Informationseinrichtung abgeleistet worden sein

Auch für Bibliotheken gilt, dass diese z. T. auch Projektstellen oder wissenschaftliche Stellen ausschreiben. Allerdings ist es insgesamt etwas einfacher (jedenfalls für Köln und Berlin) die Voraussetzungen für das Fernstudium zu erfüllen.

Museum

Auch in Museen gibt es Weiterbildungsmöglichkeiten. Diese heißen hier Volontariate. Gerade im Museum werden auch häufig speziellere Anforderungen an die historische Spezialrichtung (z. B. Kunstgeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Technikgeschichte) gestellt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass außerdem eine Promotion gewünscht wird.

Darüber hinaus gibt es ebenfalls ab und an die eine oder andere wissenschaftliche Projektstelle, wie das auch bei den vorhergehenden Bereichen üblich ist.

Insgesamt sind die verfügbaren Stellen an Museen etwas vielfältiger als in Archiven und Bibliotheken, wie man auf der Website des Museumsbundes einsehen kann. Auch scheint es gefühlt mehr befristete Stellen zu geben.

Wissenschaftliche Dokumentation

Eine weitere Fortbildungsmöglichkeit innerhalb des Bibliotheks- und Informationsbereichs ist die des wissenschaftlichen Dokumentars. Diese als Ausbildungen, Fortbildungen oder Volontariate bezeichneten Beschäftigungen, kann man in verschiedenen Bereichen finden. Ein solcher Bereich sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Ein_e wissenschaftliche Dokumentar_in hilft z. B. bei der Recherche, Aufarbeitung, Verwaltung und Präsentation (u. s. w.) von relevanten Informationen und Daten für Medienhäuser, Parteien, Informationseirichtungen etc. Dabei überschneidet sich ihre Tätigkeit häufig mit den Aufgaben von Archivar_innen und Bibliothekar_innen.

Das bedeutet, dass das zweijährige Volontariat auch für die Bewerbung auf einen berufsbegleitenden Studiengang im Archiv- oder Bibliothekswesen qualifiziert.2 Allein schon deshalb stellt diese Form des Volontariats einen interessanten dritten Weg dar. Auch hier gilt, dass man sich häufig zusätzliche Fähigkeiten und Qualifikationen wünscht.

Stellen in den öffentlich-rechtlichen Medien findet man beim Deutschlandradio, bei der ARD oder beim ZDF. Die Seite der Deutschen Gesellschaft für Information und Wissen (DGI) hat (auch für alle anderen hier beschriebenen Bereiche) eine schöne kommentierte Linksammlung für die Stellensuche.


  1. Das klingt zunächst paradox, aber als Historiker_in ist man zunächst für historische Forschung qualifiziert und muss sich häufig fortbilden, möchte man nicht ausschließlich in die Forschung/Lehre. Wie jeder außerdem weiß, sind gerade Stellen an der Uni alles andere als einfach zu kriegen und eine Karriere an der Hochschule alles andere als zukunftssicher. ↩
  2. Manche Volontariate in diesem Bereich, die ich bisher gesehen habe, qualifizieren nicht für die Weiterbildung als Archivar, alle würden aber auf die Voraussetzungen für das Fernstudium der Bibliothekswissenschaften passen. Auch Volontariate in Museen qualifizieren übrigens für die Bibliothekwissenschaftlichen Studiengänge, wie ich durch eine E-Mail-Anfrage an die TH-Köln ermitteln konnte. ↩
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