Nachbetrachtung zum Zwischenstand

By openmedi on 9. Mai 2018 — 4 mins read

Wie viel Arbeit man bewältigen kann, um all diese Akteure wieder sichtbar werden zu lassen und wie viel Diplomatie in der Aufdeckung dieser Akteure involviert ist, kann eigentlich nur unterschätzt werden.

Der Zwischenstand schwebt in der Luft. Was ist damit gemeint? Er nimmt einfach irgendwas über das in den Tweets angesprochene Geflecht an, ohne zu zeigen oder zeigen zu können, wie man dazu kommt. Es werden viel zu schwammige Aussagen über die Gruppe #kzumafia gemacht und auch werden von den beobachteten Phänomenen (#konTrolle etwa) keine wirklich hergeleitet. Ob diese Bestand haben werden, ist beim Aufarbeiten dieses Versuchs daher auch ungewiss. Ich vermute, dass manches nicht ganz falsch ist, aber der Text fiel mir beim Schreiben dann wohl nicht deshalb zu leicht, weil man die ganze Arbeit gemacht hat, die die dort gemachten Aussagen ermöglichen, sondern weil das eben ausgeblieben ist. Die Leichtigkeit war nicht eine aus Erleichterung über die gemachte Arbeit, sondern eine aus Gründen des “es sich zu leicht Machens”. Es ist ein Text geworden, der von Shortcuts nur so strotzt. Es ist vielleicht auch ein Symbol für die knappe Zeit und die Schwierigkeit neben dem Job sich in Langsamkeit zu üben, insbesondere, weil man eben Resonanz auf Abkürzungstexte bekommen kann. Aber genug der Ausreden und zurück an den Anfang.

Was kann man sagen? Über den Anfang.

Unüberraschenderweise ist nichts so problematisch wie der Anfang. Gleichzeitig ist der Anfang so problematisch dann aber auch wieder nicht. Was meine ich? Ich meine, dass man sich nie in einer Situation des eigentlichen Anfanges ohne vorhergehenden Anfang befindet. Dieser Text steht in meinem Blog und referenziert Tweets. Ich stelle diesen Text lediglich “dramaturgisch” an den Anfang. Aber ihm gingen viele verschiedene Überlegungen voraus und was noch viel wichtiger ist, weil man das zeigen kann: Andere Texte und Tweets gingen diesem Text voraus. Und wer hat diese Tweets verfasst? @openmedi und das bin ich und ich betreibe auch diese Website, die openmedi.de heißt und ich schreibe nun also diesen Text, der dann ein bisschen später vom Editor im Backend über einen Klick auf “Veröffentlichen” für eine potentielle Öffentlichkeit lesbar machen werde. Der Text wird dann über einen Service (ifttt) als Tweet von @openmedi_feed vertweetet und somit über diesen Tweet als sein Platzhalter vertweetbar werden. Und schon sind wir mittendrin. Waren wir aber ohnehin schon.

Was ist da?

Was man sagen kann, kann man über das sagen, was da ist. Das hier ist ein Blogpost auf openmedi.de und so weiter. All diese Akteure und ihre Verbindung ist da. Wo ist da? Da ist wo da ist. Da ist neben einem anderen da. Aber man kann darauf zeigen. Durchaus auch mit dem Finger. Ich öffne meinen Laptop, fahre ihn hoch, öffne den Browser, gebe die URL zum Blogpost ein und der Blogpost erscheint. Ich kann mit dem Finger auf ihn zeigen. Und das ist da. Da ist aber auch die URL, die auf den Blogpost zeigt und der Link, der über die URL auf den Blogpost verweist, der über einen Klick in Tweetbot auf den Tweet von @openmedi_feed den Blogpost in meinem Browser öffnet. Da ist der Bezug, die Referenz. Da ist nicht geheimnisvoll, sondern ziemlich offensichtlich, weil wir nicht im Nirgendwo sind.

Was ist der Gegenstand?

Ich bin fasziniert von der Möglichkeit außerakademischer Wissenschaft. Ich bin fasziniert von den Leuten, die mit mir (und ohne mich) auf Twitter oder sonstwo zu diesen und verwandten Themen schreiben. Ich bin fasziniert von der Möglichkeit von Feldforschung im Internet. Ich bin erstaunt über die Art und Weise des Austauschs und die zum Teil harten Urteile, die über moderne Wissenschaft und auch sonst alle Sphären der Modernen im Netz gefällt werden. Ich möchte herausfinden, auf welche Akteure meine Faszination und mein Erstaunen zurückgeführt werden können. Mir ist klar, dass ein Rest bleiben muss, weil diese Faszination und dieses Erstaunen Historizität haben und es sich auch hier natürlich über eine Wechselwirkungsbeziehung handelt. Aber zumindest lässt sich das Faszinierende dieses Gewebes untersuchen. Was macht es aus? Wie wird diese für mich so unwidestehliche Interessanz erzeugt?

Was ist zu tun?

Es wird darum gehen, diese Akteure, von denen hier einige genannt wurden, zu untersuchen und immer wieder neu zu untersuchen. Wie hängen diese zusammen? Wie passiert etwas? Was ist möglich? Es wird nötig sein die Möglichkeiten erfassbar zu machen und sich nicht zu sehr in Ad-Hoc-Theorie und in der Sprache zu verlieren, deren Bedeutung erst viel später kommt. Es muss mehr darum gehen, wie das was da ist so konfiguriert ist, dass es Emergenz, also neue, bisher so noch nicht gekannte Qualität, zeitigt.

Und damit möchte ich jetzt also gewissermaßen noch einmal anfangen. Was kann man sagen? Was ist da?

Posted in: Irrfahrt

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