Reaktionen auf den Minipodcast

By openmedi on 10. Dezember 2017 — 6 mins read

Ich habe die letzten Tage mal die Antworten und Reaktionen, die ich so auf meine erste Podcastepisode bekommen habe in mir gären lassen und komme zu diesem Ergebnis:

  • Auch wenn mein Vorgehen m. E. legitim ist und man die Einsprüche der #kzumafia nicht ernster nehmen muss, als Einsprüche von sonst wo, so rekrutiert sich doch die minimale Öffentlichkeit, die ich mit meinen Überlegungen erreiche eben aus den Reihen derjenigen, die sich mit #kzu beschäftigen. Und daher wäre es angebracht, sich damit auseinanderzusetzen und mein Vorgehen zumindest ansatzweise zu plausibilisieren.
  • die Antworten, die ich bekam, sowohl ihrem Inhalt nach als auch in ihrer Form waren nicht immer leicht zu entziffern. Im Großen und Ganzen gab es eigentlich drei Reaktionen1:
    • 1) Kommentar unterm Podcast von Lierschoff – mit dem Hinweis darauf, dass die kzumafia ja eigentlich nicht Wissenschaft, sondern Kunst macht.
      • Darauf antwortete ich wiederum, dass es weniger wichtig ist, wie man es nennt, oder für was man es hält, da das auch changiert. Was man sagen kann, weil man dammit lediglich einen vorfristigen Begriff meint: Es ist kzumafiös. Es wirkt wie Wissenschaft, zuweilen wie Kunst. Aber es ist erstmal was eigenes, d.h. ob es nachher Kunst oder Wissenschaft oder was ganz anderes ist, dass beurteilen wir erst später abschließend, wenn wir etwas besser wissen, was kzumafiös eigentlich sein soll. (Tweet-Thread dazu)
    • 2) Diskussion mit Kusanowsky (Tweet-Thread)
      • Zunächst ging es damit los, dass meine Aussagen aus dem ersten Minipodcast von Kusanowsky als paranoisch (als Teil der Experimentalwissenschaft der Paranoik (siehe unten im verlinkten Post)) bezeichnet worden sind. Anschließend versuchte ich mir den Folgetweet “Paranoik ist die fabula rasa der kritischen Disziplin” herzuleiten und kam zu dem Ergebnis, dass es für die Teilnahme am Diskurs nicht darauf ankommt, was man da jetzt ganz genau bespricht, weil das sowieso nicht beobachtbar ist. Zusammengenommen mit dem anderen (als ein Beispiel der Auslegung): Die Experimentalwissenschaft der Paranoik macht deutlich, dass zur Teilnahme am kritischen Diskurs ein ganz genaues Verständnis gar nicht notwendig ist. Ob das so verstanden worden ist, weiß ich natürlich nicht, aber Klaus wusste zumindest ganz genau, dass ich “Kritik” (im ganz großen Sinne) üben wollte, was für ihn sofort die Offenlegung von Prämissen meiner Kritik und einer richtigen Zitierweise (Grundlagen guten, wisssenschaftlichen Arbeitens) einhergeht. Das geht natürlich weit darüber hinaus, wie ich den Begriff hier benutzt habe und was ich darunter zunächst erst einmal verstehe. Habe ich die kzumafia kritisiert? Ja durchaus. Habe ich sie kritisiert im Sinne der modernen Kritik, das heißt im Sinne universitärer Wissenschaft? Nicht wirklich. Mir ist etwas aufgefallen, ich habe versucht das auszudrücken, ich habe Worte benutzt, die andere auch benutzen, aber sie sind in ihrer Bedeutung (selbst wenn ich diese Bedeutung kenne) nicht absolut kongruent. Dieses Problem, dass Klaus viel besser wusste, was ich denn zu sagen habe und auf was das in letzter Konsequenz hinausläuft, ohne sich über die Grenzen meiner begrifflichen Nutzung zu informieren, hatten wir auch bei dem Wort Beschreibung und beim Wörtchen Theologie. In all diesen Fällen gab es eine Art Kurzschlussreaktion, scheint mir, in der man immer schon ganz genau weiß, was dabei herauskommt. “Der macht Kritik. Der weiß gar nicht, dass er interpretiert, dass es eine Beschreibung ohne Interpretation in seinem Sinne gar nicht gibt…!” usw. Jegliche Erwiderung selbst ist damit schon entwertet. Alles was man sagt oder tut, kann auf Vermeidungsstrukturen zurückgeführt werden. Windet man sich trotzdem noch ein wenig weiter, dann wird auf die vermeintlich identifizierten Probleme/Inkongruenzen zurückgegriffen, um die Erwiderungen (vermeintlich) ad absurdum zu führen. An meinem Beispiel: Eine wichtige Arbeitsgrundlage für meine Untersuchungsweise ist die Affirmation der “lokalen Realität” (des Hier und Jetzt) eines jeden Akteurs. Das heißt, ich versuche zunächst einmal die jeweilige Realität in seiner ganzen seltsamen Fülle für mich zu plausibilisieren. Wie z. B. ist es möglich, dass man sich selbst nicht als Teil der #kzumafia begreift, auch wenn man überhaupt gar keine Handhabe dagegen hat, dass jemand sagt: “Du bist Teil der #kzumafia” und dieses ‘Du’ zunächst nur mit einem Twitteraccount, einer Website und der einen oder anderen Teilnahme an einer Podcastepisodenaufnahme verbindet? Wieso ist Macht und die Zuschreibung von Macht zu Akteuren eine Unmöglichkeit oder wenigstens Ungehörigkeit für Klaus Kusanowsky? Usw. Ziel ist dabei nicht – flapsig ausgedrückt – Klaus “Dummheit” zu unterstellen, sondern im Gegensatz, die ihn umgebenden Akteure (jetzt und historisch) zu untersuchen und schlussendlich für die Möglichkeit einer solchen Realität verantwortlich zu machen. Der alte Spruch “Was ist der Akteur? Dieses Netzwerk” greift hier voll und ganz und vermittelt eigentlich auch ganz vortrefflich zwischen meiner ANT-Perspektive und der systemtheoretisch informierten Perspektive von Klaus. Aber nicht so für Klaus. Für Klaus verstehe ich immer noch nicht was Theologie ist (genauer: dass man überhaupt etwas auf diese Weise erkennen oder bezeichnen könnte) und begreife auch nicht, dass was ich eigentlich tue Paranoik ist. Ich bin genau genommen lächerlich und das führt er mir vor. Ich halte dagegen und versuche einerseits mein Tun zu plausibilisieren, aber andererseits versuche ich auch immer mehr Unmöglichkeiten oder Dummheitsverdächtigungen zu sammeln, weil es gerade diese Unmöglichkeiten sind, die viel über Kusanowskys Hier und Jetzt aussagen. Und so drehen wir uns fröhlich im Kreis, wobei ich ständig etwas neues lerne und Klaus eh schon immer Bescheid weiß (weil er sich ja mit der Wildnis außerhalb von Institutionen et. al. befassen will und sich daher gegenüber solchen Einlassungen, wenn auch überschnell kategorisiert, immunisieren muss, diese Art des Rauschens ausblenden muss, um stattdessen den Spuren der Internetkommunikation nachspüren zu können…).
    • 3) Die Diskussion mit @Mundauf (Tweet-Thread)
      • Im Anschluss an die Diskussion mit Klaus unterstellte mir @mundauf, dass was ich dort täte eine Illusion sei. Auf meine Nachfrage, was denn außer dem bekannten Umstand, dass man Dinge immer nur in etwa erkenne, problematisch sei, wurde die Gültigkeit meiner Beschreibung angezweifelt. Hier ergab sich interessanterweise, dass meine Beschreibung zwar lediglich Illusion sei, aber auch Provokation sein könnte. Warum meine Beschreibung eine Illusion sei, konnte oder wollte man mir aber nicht mitteilen. Einen Anhaltspunkt jedoch erhielt ich: “Du willst etwas beschreiben, was du nicht verstehen willst.” Und einen weiteren: “Nimm einfach niemals an, dass du es verstanden hast, dann könnte es besser werden.” Dass ich das ohnehin nicht tue, konnte ich dann aber nicht mehr vermitteln. Auch auf meine Frage, ob er das für das Problem hält, dass man mir unterstellt alles ganz genau zu wissen, erhielt ich keine Antwort mehr. Aber auch das informiert natürlich wiederum über die #kzumafia.

Gerade Reaktion 2 und 3 sind interessant, weil sie etwas gemeinsam haben, nämlich die Annahme “der versteht es nicht”. Glaubt man Klaus, dann kann der Grund für dieses Nichtverstehen oder Falschverstehen in der Gesellschaft und seinen Institutionen gefunden werden. Ich mag vielliecht nicht in einer Uni sitzen, aber meine Methodik erinnert noch zu sehr an das was Klaus für herkömmliche Wissenschaft hält, d.h. ich stehe noch zu stark unter dem Eindruck dieser wissensproduzierenden Instutionen, bin noch nicht imunisiert genug, sehe im Rauschen noch nicht die eigentlich wichtige Information. Ähnliches gilt vielleicht auch für @mundauf. Es macht gar keinen Sinn mit mir zu reden, weil ohnehin klar ist, dass eine Auseinandersetzung notwendigerweise “kritische” (hier im Sinne des großen Worts) Obertöne aufnehmen würde, schließlich eine Frage der Historisierung, Relativierung und Einordnung werden muss – aber darum geht es ja genau nicht (findet @mundauf, unterstelle ich). Es geht ja um was neues, was anderes.

Man kann erstens natürlich nicht unterstellen, dass dies für alle kzumafiosos zutrifft und kann zweitens natürlich nur noch einmal versuchen zu betonen, dass es sich hier immer um Einschätzungen zum Zeitpunkt x handelt, die mit jeder Interaktion, jeder Referenz, jeder Auseinandersetzung besser dichter und genauer werden (wollen), aber sagen kann man das ja mal – und dann gucken wie man als nächstes missverstanden wird.


  1. Es gab natürlich mehr. Es gab z. B. auch das Lob von @adloquii
Posted in: Miszelle

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