Sichtbarkeit

Von openmedi veröffentlicht am 5/16/2019, 11:55:20 PM

(Auch das wird wieder nur eine Irrfahrt werden. Irgendwann wird es auch wieder Blogbeiträge geben, die ich geplant habe.)

Sichtbarkeit ist, wenn man als sichtbar angesehen wird. Es ist erst dann möglich, dass man sichtbar ist. Anders ausgedrückt. Sichtbarkeit muss zunächst kommuniziert werden. Was sichtbar ist, dass entscheidet sich aus der kommunizierten Ordnung heraus und lässt Rückschlüsse auf die Umwelt dieser Kommunikation zu. Aber ob etwas als sichtbar gilt, das hat mit der Umwelt nur mittelbar zu tun.

Noch mal anders: Akteure, die sichtbar sind, artikulieren Sichtbarkeit und tragen nicht die Qualität von Sichtbarkeit in sich, sondern werden durch die Äußerung von Sichtbarkeit an den Akteur Sichtbarkeit gebunden, artikulieren ihn mit, geben ihm dadurch Realität und im Umkehrschluss nimmt die Idee von Sichtbarkeit in Bezug auf den nun als sichtbar bezeichenbaren Akteur an Plausibilität, wobei plausibel hier heißt, dass es denkbar und damit wirklich(er) wird.

Ob außerhalb von Kommunikation etwas passiert ist die Frage in dem einen Bild, ob außerhalb lokaler Realitäten etwas passiert ist die Frage im andern. Beides sind kommensurabel und sagen gar nicht so viel unterschiedliches über Sichtbarkeit aus. Im einen zirkulieren die Kommunikationen durch die Akteure, die als solche durch Kommunikation (hier: Artikulation eigentlich) entstehen und dadurch aber auch an Realität gewinnen, teilweise auch an Dinglichkeit gewinnen. Im anderen werden sämtliche Artefakte als mehr oder weniger zufällige Teile der Umwelt ausgeklammert.

Aber die Akteur-Netzwerk-Sicht ist eine Hyperbolisierung dieses Kommunikationsverständnisses (jedenfalls in meinem Verständnis). Es mag sich auch noch in der Methodik, d. h. in der Theorie seiner Methode unterscheiden, aber systemische Beschreibungen und ANT-Beschreibungen konvergieren ab einem bestimmten Abstraktionsgrad.

An Sichtbarkeit interessant ist, dass Unsichtbares durch die bloße Beobachtung von Sichtbarkeit – und diese mag sogar zunächst erstmal nur in einer Als-Ob-Form unterstellt werden – Sichtbarkeit artikulieren kann. Etwaige Einschränkungen entstehen durch Normalisierungen, wie z. B. Standards oder eine richtende “Scientific Community”. Da wird als Noise aussortiert, was eventuell hätte wachsen können.

HARD BREAK. Es seltsam sich so schreiben zu sehen. Denke ich an meine Äußerungen auf Arbeit zurück bin ich erstaunlich konservativ. Spreche mich dafür aus, dass wir von zwei Optionen, die bereits bekanntere versuchen. Aber warum auch nicht? Die progressiven Fantasien sind als Explorationen zu verstehen, die über den Möglichkeitsraum informieren, in dem Realität erzeugende Prozesse definiert werden und ablaufen können. Experimentalsysteme sind eingebettet in ein Feld der Exploration und doch sind Experimente nicht beliebig, sie sind nicht unbedingt, sondern im Gegenteil: Sehr bedingt. Und gleichzeitig offen.

Diese bedingte Offenheit macht Experimentalsysteme veränderungsfähig ohne dabei die eigene Kohärenz komplett aufgeben zu müssen. In ähnlicher Weise sind Unternehmen Organisationssysteme, die im besten Falle ähnliche Qualitäten zeitigen.

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